Von guten Mächten – Dietrich Bonhoeffer

Am 9. April 1945 wurde Dietrich Bonhoeffer wegen Hochverrats in Flossenbürg in der Oberpfalz hingerichtet.

Dietrich Bonhoeffer unterstützte die Attentatspläne gegen Hitler. Vorausgegangen war die Rückkehr aus dem sicheren Exil in New York nach Deutschland, wo er das Ende der Nazidiktatur mit herbeiführen wollte. Die Briefe, die er aus der Gefängniszelle in Tegel an Eberhard Bethge geschrieben hat, sind bewegend, und sie stören in einem bis heute produktiven Sinn: Von der Kirche ist da die Rede, die nur Kirche sei, wenn sie für andere da sei. Vom „Blick von unten“, der mit dem christlichen Glauben untrennbar verbunden sei. (Text von Heinrich Bedford-Strohm, http://www.zeit.de/2015/15/dietrich-bonhoeffer-todestag-protestantismus-widerstand)

Es ist der 1. Februar 1933: Im Radio erscheint die Stimme eines jungen Mannes, der 26-jährige Theologe Dietrich Bonhoeffer:

„Der Mensch und insbesondere der Jugendliche wird so lange das Bedürfnis haben, einem Führer Autorität über sich zu geben, als er sich selbst nicht reif, stark, verantwortlich genug fühlt, den in diese Autorität verlegten Anspruch selbst zu verwirklichen.“

Zwei Tage nach der Machtergreifung Adolf Hitlers und der NSDAP sind dies mutige Worte, wenn man bedenkt, dass der Aufstieg zur Macht durch Hitlers Partei skrupellos und mit brutaler Gewalt eingeleitet wurde.

„Der Führer wird sich dieser klaren Begrenzung seiner Autorität verantwortlich bewusst sein müssen. Versteht er seine Funktion anders, als sie so in der Sache begründet ist, dann gleitet das Bild des Führers über in das des Verführers.“

Danach wird die Sendung der ‚Berliner Funkstunde‘ abgebrochen, die Stimme Bonhoeffers verstummt.

Mit diesen Worten setzte sich Bonhoeffer auf die Abschussliste der Nazis. 12 Jahre später, am 9. April 1945, wenige Wochen vor der Kapitulation, wurde der Widerstandskämpfer im KZ Flossenbürg ermordet.

Im April 1933 bei einem Vortrag vor der Berliner Pfarrerschaft fielen dann diese Worte: „Die Kirche ist den Opfern jeder Gesellschaftsordnung in unbedingter Weise verpflichtet, auch wenn sie nicht der christlichen Gemeinde angehören. Es ist sogar denkbar, nicht nur die Opfer unter dem Rad zu verbinden, sondern dem Rad selbst in die Speichen zu fallen“. Die Kirche müsse den Staat an seine Verantwortung erinnern, rief er in den Saal.

„Den Juden verpflichtet, dem Rad in die Speichen fallen: Da predigte ein evangelischer Geistlicher ohne große Umschweife den notfalls gewaltsamen Widerstand gegen das Regime. Leichtsinnig hatte Bonhoeffer diesen Entschluss nicht gefasst. Gemeinsam mit den Mitgliedern der Bekennenden Kirche sah sich Bonhoeffer der Übermacht der NSDAP-treuen ‚deutschen Christen‘ hilflos gegenüber. Dennoch setzte er sich theologisch mit dem Regime und seinen Auswüchsen auseinander, reiste durch Europa und warnte vor der Kriegsgefahr, die von Deutschland ausging.“ Textquelle: http://www.spiegel.de/einestages/dietrich-bonhoeffer-zum-70-todestag-des-freiheitskaempfers-a-1027462.html

An seinem 33. Geburtstag sagte Bonhoeffer (Quelle: Eberhard Bethge):

„Es kann sich auch für einen Pfarrer lohnen, sein Leben für die politische Freiheit einzusetzen.“ Zwei Jahre später war Bonhoeffer mit einem Rede- und Schreibverbot belegt.

Im März 1943 organisierte der Kreis um Bonhoeffer, Canaris und Dohnanyi mehrere Anschlagsversuche auf Hitler, die jedoch alle scheiterten. Mal war eine Bombe in Hitlers Flugzeug angeblich durch die Kälte des Flugs vereist, mal verließ der Diktator kurz vor Zündung eines Sprengsatzes den Raum. Am 5. April wurde der Widerstandskämpfer festgenommen und kam in Isolationshaft. (Textquelle: http://www.spiegel.de/einestages/dietrich-bonhoeffer-zum-70-todestag-des-freiheitskaempfers-a-1027462.html)

Im Herbst 1944 entdeckte die Gestapo Geheimpapiere der ‚Verschwörer‘. Dietrich Bonhoeffer, sein Bruder Klaus, Canaris, Dohnanyi und ihre Vertrauten kamen in Haft, wurden verhört und gefoltert.

Bonhoeffer wurde im Februar 1945 ins Konzentrationslager Buchenwald verlegt, im April ins KZ Flossenbürg. Ein Scheinprozess fand statt, den die Angeklagten ohne Verteidigung über sich ergehen lassen mussten.

„Ein Gebet in der Zelle, dann musste sich Bonhoeffer ausziehen. Nackt trat er den Gang zum Galgen an – eine letzte Demütigung für den Pastor, der es gewagt hatte, von Anfang an gegen Hitler zu reden. ‚Ich habe in meiner fast 50-jährigen ärztlichen Tätigkeit kaum je einen Mann so gottergeben sterben sehen‘, schrieb Hermann Fischer, der Lagerarzt von Flossenbürg später. Er und die Mitglieder des SS-Standgerichts, das Bonhoeffer und seine Mitstreiter zum Tode verurteilt hatte, wurden 1956 vom Bundesgerichtshof im Fall Bonhoeffer freigesprochen. Das Urteil sei rechtskräftig, hieß es. Erst 1998 erließ der Bundestag das Gesetz zur Aufhebung nationalsozialistischer Unrechtsurteile, und Bonhoeffer wurde rehabilitiert.“ Textquelle: http://www.spiegel.de/einestages/dietrich-bonhoeffer-zum-70-todestag-des-freiheitskaempfers-a-1027462.html
„Bonhoeffer lehrt: Wir brauchen ein Fundament klarer ethischer Orientierungen. Sie müssen in authentischer, an Christus orientierter Frömmigkeit wurzeln. Sie müssen auf öffentliche Verantwortung zielen. Nur so können wir Christen den Herausforderungen der eigenen Zeit begegnen. Und zwar zuversichtlich. Mit den Worten Bonhoeffers kurz vor seiner Inhaftierung: ‚Mag sein, dass der jüngste Tag morgen anbricht, dann wollen wir gerne die Arbeit für eine bessere Zukunft aus der Hand legen, vorher aber nicht.'“ – Heinrich Bedford-Strohm (http://www.zeit.de/2015/15/dietrich-bonhoeffer-todestag-protestantismus-widerstand)

 

 

 

 

 

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