Juli Zweitausendsechzehn (auf türkisch)

"Duran Adam" - Quelle: Wikipedia

Juli Zweitausendsechzehn (auf türkisch)

Wer hätte das gedacht,
wieder sprechen wir über die Tode,
alle Tage werden Signale überbracht:
Der Frieden krächzet marode

Im Jahre sechzehn, am 15. Juli
rollt ein türkischer Stein
über das Lamm der Demokratie,
und nimmt dem Recht das Sein

Da putschet das Militär
wie ein hilfloser Dilletant,
Erdogan öffnet das höllische Wehr
und säubert wortmordgewandt

Regierend hackt der Osmane,
schlägt kläffend kreuz und quere,
formt sich hohle Staatsorgane,
dem kranken Geist zur Ehre

An einem Tag, in einer Nacht,
wird abgestumpft eliminiert,
schon wieder ein Irrer an der Macht
und ein Volk hypnotisiert.

Wer hätte das gedacht,
Duran Adam“ in Istanbul
als stiller Protest einst gewacht,
bedarf Erweiterungsmodul.

©Sylvia Kling

„Duran Adam“ heißt „Stehender Mann“.

„Nachdem am 17. Juni ein stadtweites Demonstrationsverbot über Istanbul verhängt worden war, stellte sich der Künstler Erdem Gündüz in der folgenden Nacht stundenlang auf den Taksim-Platz und blickte in einer Art Steh-Performance in Richtung des vom Abriss bedrohten Atatürk-Kulturzentrums.[161] Dieses Verhalten wurde rasch über Twitter als duran adam (also (still-)stehender Mann) bekannt und als stiller Appell für das Fortbestehen der Türkei als ein laizistischer Staat in der von Atatürk vertretenen Weise gedeutet, also ohne Einfluss der Religion auf die Politik.[578][726] In der Folge verbreitete es sich als passive Widerstandsform in der gesamten Türkei auf öffentlichen Plätzen.“

Mehr dazu hier:

https://de.wikipedia.org/wiki/Proteste_in_der_T%C3%BCrkei_2013#.E2.80.9EStehender_Mann.E2.80.9C_.28duran_adam.29

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